Die Ursachen

Wie kommt es zu all den Mineralien- und Spurenelement-Defiziten?

Der größte Einflussfaktor auf unsere Versorgung mit Mineralien und Spurenelementen ist die Ernährung. Hier lässt sich seit Jahrzehnten ein übler Trend beobachten: Lebensmittel, sowohl Obst und Gemüse, als auch tierische Produkte enthalten immer weniger Mineralien und Spurenelemente [uk]. Die folgende Grafik zeigt die Veränderung des Mineraliengehalts in Lebensmitteln zwischen 1941 und 1990:

Dieses Phänomen beschränkt sich nicht nur auf konventionell erzeugte Lebensmittel; biologisch erzeugte Lebensmittel sind gleichermaßen betroffen. So konnte eine Auswertung von 55 Studien keinen statistisch signifikanten Unterschied zwischen dem Mineralien- und Spurenelementgehalt von konventionellen und biologischen Lebensmitteln feststellen (abgesehen von mehr Phosphor in Bioprodukten) [bio].

Dies liegt zwar auch an der Zunahme der Lebensmittelverarbeitungsstufen sowie dem hohen Konsum von Zucker und Auszugsmehlen. Vorrangig muss man allerdings feststellen: unsere Böden sind kaputt! Weltweit! So stellte die UNO (2015) in einem Bericht fest, dass 20 % der globalen Landmasse in gerade einmal 15 Jahren, von 2000 bis 2015, degradiert wurden! Wie viel wurde wohl in den letzten hundert Jahren zerstört? Die Erosion der Bodenstruktur nimmt zu und ebenso verschwindet zunehmend der Humus aus den Ackerböden. Damit reduziert sich die Wasseraufnahme und -speicherkapazität der Böden, aber auch die Fähigkeit des Bodens, pflanzenverfügbare Nährstoffe zu binden (Kationenaustauschkapaztät). Hier wird deutlich, dass die Abnahme des Humusgehalts auch mit einer Abnahme der pflanzenverfügbaren Nährstoffe einhergeht. Ursachen sind die zu tiefe und zu häufige Bodenbearbeitung sowie Pestizide und unzureichende Bodenbedeckung. Das größte Problem ist aber die einseitige Düngung:

(1)   NPK Düngung – die Gleichung geht nicht auf

Die Verwendung von Kunstdünger, der üblicherweise nur die Elemente Stickstoff, Phosphor und Kalium enthält, führt kurzfristig zu deutlich höheren Erträgen. Auf lange Sicht werden dem Boden mit der jährlichen Ernte jedoch ungefähr 80 Elemente entzogen, indem die Pflanzen sie aufnehmen. Wenn davon nur drei Elemente in Form von Kunstdünger Jahr für Jahr auf den Acker zurückkehren, muss man wahrlich kein Agrarökonom sein, um zu verstehen, dass der Boden dabei auf Dauer aus dem Gleichgewicht gerät. Neben Stickstoff, Phosphor und Kalium benötigt die Pflanze die Makronährstoffe Calcium, Magnesium und Schwefel. An Mikronährstoffen werden benötigt: Chlor, Eisen, Mangan, Zink, Bor, Kupfer, Molybdän und Nickel. Das sind nach aktueller Sicht die essentiellen, also lebensnotwendigen Pflanzennährstoffe, wobei wir beim nächsten Problem wären:

 

Essentiell oder nicht essentiell, das ist hier die Frage!

Es gibt neben Kohlenstoff, Sauerstoff und Wasserstoff, die alle in der Luft enthalten sind, 14 Elemente, die für die Pflanze als essenziell angesehen werden. Diese Sichtweise hat sich seit 1939 nicht mehr geändert, mit der Ausnahme von Nickel, das seit 1987 als essentiell gilt. Nun gibt es aber eine Reihe weiterer Elemente, von denen bereits in zahlreichen Studien positive Wirkungen auf die Pflanzengesundheit beobachtet werden konnten. Aufgrund ihres „nicht essentiellen“ Status erfahren diese Elemente allerdings so gut wie keine Beachtung bei der Düngung von Pflanzen. Die Frage die sich dabei stellt ist: wollen wir so düngen, dass die Pflanze lebensfähig ist oder so, dass sie gesund ist? Des Weiteren gibt es Elemente, die für Pflanzen als nicht essentiell angesehen werden, für Mensch und Tier allerdings schon, z.B. Selen, Iod und Chrom. Wie soll nun die Versorgung des Menschen mit diesen Elementen sichergestellt werden, wenn sie bei der Düngung kaum Berücksichtigung finden?

 

Finnland macht es vor – und keiner zieht mit

In Finnland wird seit 1984 Selen gedüngt und zwar per Gesetz [x]. Die Böden in Finnland sind an sich relativ arm an Selen, sodass die Selendüngung zu einer deutlichen Erhöhung des Selengehalts in den Feldfrüchten geführt hat. Seit Einführung der Selendüngung produziert Finnland das selenreichste Getreide in ganz Europa. Die durchschnittliche Aufnahme der Finnen an Selen hat sich seither verdoppelt, der Selenstatus in der Bevölkerung hat sich parallel deutlich verbessert. Trotzdem bleibt Finnland bis heute das einzige Land in der EU mit vorgeschriebener Selendüngung. Interessanterweise ist die Selendüngung in der Bio-Landwirtschaft EU-weit verboten, auch in Finnland. Die Bio-Futtermittel sind jedoch mit Selen versetzt, sodass zumindest die Tiere nicht am Selenmangel leiden müssen. Außer Selen gibt es noch zahlreiche weitere Elemente, die für den Menschen als nicht essentiell gelten, jedoch offensichtlich eine große Bedeutung für die körperliche wie auch geistige Gesundheit zu haben scheinen. Ein beeindruckendes Beispiel liefert hierfür Lithium:

(2)  Der Nährstoffkreislauf im Großen und Ganzen

Die Erfindung der Abwassersysteme mit Spültoiletten und Kläranlagen hat einen großen Beitrag zur Krankheitsprävention geleistet. Dabei blieb allerdings die Rückgewinnung von Nährstoffen aus dem Abwasser völlig auf der Strecke. Der flüssige Anteil wandert größtenteils über die Flüsse in die Weltmeere, während der feste Anteil meist in Deponien eingelagert wird. Durch die Vermischung von Industrieabwasser und kommunalem Abwasser ist eine landwirtschaftliche Nutzung durch zahlreiche Kontaminationen kaum mehr möglich. In der Landwirtschaft ziehen die Pflanzen großflächig Mineralien und Spurenelemente aus den Böden. Wir erzeugen daraus Lebensmittel, nehmen diese als Nahrung auf und schicken sie auf direktem oder indirektem Wege über das Kanalsystem in die Weltmeere. Die Nährstoffe wandern vom Land ins Meer; dies können wir nur schwer rückgängig machen. Es ist überlebensnotwendig für die Menschheit, sofort damit aufzuhören. Jeder der eine Spültoilette benutzt, trägt täglich zur Bodendegradierung bei – dessen sollte man sich zumindest bewusst sein! Das folgende Schaubild zeigt unseren defekten Nährstoffkreislauf:

Einbahnstraße: Nährstoffe gehen vom Land ins Meer

 

Lösungen gibt es reichlich; die einfachste wäre eine Trocken- oder Komposttoilette. Vorsichtshalber sollte der daraus gewonnene Kompost entweder auf Felder ausgebracht werden, auf denen keine Lebensmittel erzeugt werden, oder die Fäkalien müssen vorher mithilfe von speziellen Verfahren hygienisiert werden, um Medikamentenrückstände und Parasiten unschädlich zu machen. Dies geschieht z.B. mit hohem Druck, hoher Temperatur oder Mikrofiltration. Damit blieben die Nährstoffe auf dem Land und das ist die Grundvoraussetzung dafür, dass wir die Böden nicht nur einmalig wieder herstellen können, sondern die Bodenfruchtbarkeit auch auf Dauer erhalten. Der Nährstoffkreislauf funktioniert also wieder, wie im folgenden Schaubild dargestellt:

Ein funktionierender Nährstoffkreislauf